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Das Wikingerspiel
01
Das Wikingerspiel

Das Wikingerspiel

 

Kasperle: (vor dem Vorhang)
Pst, Mami! Du Mami, ich bin so aufgeregt! Ohgottohgottohgottohgoot – Ps fttt-ft – ah, jetzt bin ich aber erleichtert!

Mami: Das ging in die Hosen!

(Vorhang auf)

Kasperle:
Holladrihia, holladrio, hollladrihahaha, holladrio – hallo Babys, Moin Moin! Da seid ihr ja schon! Seid ihr auch wirklich alle da? Wer nicht da ist, soll „nein“ schreien!...

...

Aber, aber, aber,Schlabberinnebüx, sag mal Mami, ist deine Rasselbande
immer so maulfaul?
Also Babys, wenn ich anfangen soll, dann schreit laut und deutlich „ja“!

...

Wisst Ihr eigentlich, warum Mami mich gebeten hat, etwas über die alten Wikinger zu erzählen?

...

Nein? Dann will ich es Euch verraten! Weil Mami nämlich ein großer Wikingerfan ist! Ehrlich! Sie war sogar schon einmal in Dänemark, heimlich, vor ihrer Zeit mit Papi. Niemand außer mir weiß das, nicht einmal sie selbst. Sie hatte damals einen Reisebegleiter, der war ein richtiges Schlitzohr. Fuhr der doch mit ihr zu einem FKK-Strand. Und weil es grade Freitag war, erzählte er ihr, dass in Dänemark am Freitag das Tragen von Badesachen verboten sei! Aber Mami, die ist ja plitsch, die hat natürlich gleich gemerkt, was da ablaufen sollte. Sie wollte bloß keine Spielverderberin sein – war sie ja noch nie – und hat mitgemacht. Als sich auch ihr Begleiter ausgezogen hatte, kriegte sie große Augen und meinte: „Ohh! – Oh, I see, ihr habt hier in Dänemark schon am Freitag euren langen Samstag!“

Tz, Tz, Tz, wer hat denn da eben so dreckig gelacht? Ich, ich hatte keine schmutzigen Hintergedanken! Kann ich gar nicht haben. Ich bin nämlich das sauberste Kasperle, das es gibt. Porentief rein! Von Frau Klementine bescheinigt! Wieso wollt Ihr wissen? Na, ich wollte schon immer mal wissen, wie es in einer Waschmaschine so zugeht. Also hab' ich mich in Wias Bettwäsche versteckt. Ihr könnt mir glauben, das war vielleicht megageil! Besonders das Vibrieren beim Schleudergang! Wie mit einem 3-D Massagestab! Wenn nur das Weichspülen hinterher nicht gewesen wäre. Was die Gretel, meine Frau ist, die meinte, ein Softy wäre ihr ja ganz recht, nur an einer bestimmten Stelle, da könnte er ruhig ein bisschen mehr macho sein.

(er setzt sich)

Oups, jetzt habe ich mich voll in die Schei... – in meinen eigenen Scheibenkleister gesetzt. Oh – schön du!


Eigentlich wollte ich Euch ja heute etwas über die alten Buchteln erzählen. Ihr erratet nie, wer die alten Buchteln hier in Dänemark waren?

...

Dabei ist das doch logo – die ollen Wikinger, die Leute vom Wik, von der Bucht – auf gut Deutsch also Buchteln! Hä, hä, hä. 

Oh ha, mannohmannohmann, das waren vielleicht Kerle, die Wikinger! Wo die überall hingepütschert sind in ihren Nussschalen! Bei der Völkerwanderung, da waren sie als Fußkranke zurückgeblieben! Aber nun wollten sie es wissen. Und weil ihnen das Laufen schwerfiel, ruderten sie lieber, immer 15 Mann auf einer Seite, für jeden Ruderer einen Ersatzmann auf der Reservebank. Du Papi, wollen wir mal sehen, ob Deine Babys schon rechnen können? Wieviel Mann befanden sich in einem der größeren Wikingerkähne?

... (60)

Falsch! Ihr habt den Klabautermann vergessen! Hä, hä, hä.

Als Karl der Große noch dabei war, der Große zu werden, ruderten die ersten Wikinger aus Dänemark zu ihm hin. Papi, klär mal die Kleinen auf – wann wurde Karlemann zum Großen?

... (800 Krönung zum Kaiser)

Wenn Ihr mich fragt, die Wikinger hatten wohl durch ihre Runenpresse erfahren, dass dort bei Charlemange im Frankenland alkoholische Getränke billiger als bei ihnen Zuhause waren. Ist doch noch heute so, wenn Skandinavier ins Ausland kommen, wo die Alkoholsteuer niedriger ist, dann schütten sie sich erst einmal zu. Jedenfalls plünderten die Wikinger damals am liebsten Klöster aus, und Klöster haben bekanntlich einen guten Weinkeller. Die ersten Wikinger, die zur Weinprobe im Frankenland auftauchten, nannte man dort „die Männer, die aus dem Norden kamen“ – die „Normannen“. Heute, wo jedes Baby den Kompass kennt, würde man wohl eher „Nordóssi“ zu ihnen sagen – „Nord Ossis“.

Mit jedem Frühjahr, wenn sich die Stürme gelegt hatten, kamen im Rahmen eines Berufsförderungs- und Weiterbildungsprogramms mehr Wikinger ins Frankenland gerudert. Ihre Kurse dauerten bis kurz vor den Herbststürmen. Kein Wunder, dass die Kneipenwirte bald genug hatten von den Alkoholstudenten des zweiten Bildungsweges und sie rausschmissen. Potz Blitz, Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie sauer da die Wikinger wurden! Ihre Protestdemos durch Köln, Bonn und Trier waren schon ganz modern. Nur Autoreifen zum Anzünden gab es noch nicht. Brauchten sie auch nicht, denn die Häuser brannten viel besser. Dass auch Hamburg dran glauben musste, verstand sich von selbst. Die Dänen saßen den Hanseaten seit eh und je „all zu nah“ auf der Pelle. Auf Plattdeutsch wurde daraus „Altona“.

Was nun weiter geschah? Na was wohl? ... Das gleiche wie heute: Die fränkischen Ordnungshüter griffen ein und verprügelten ein paar von diesen Hooligans des Mittelalters! Und was machten diese? Sie holten Verstärkung aus Dänemark! Im nächsten Frühjahr kamen sie als großes Heer wieder, und dann ging es erst richtig rund! Einigen von ihnen war selbst das nicht cool genug. Sie ruderten weiter, um Frankreich, Portugal und Spanien herum, machten Urlaub auf Mallorca und plünderten zum Saisonschluss schnell noch die Weinkeller in der Provence und in der Toskana. Besoffen wie sie danach sicher waren, kamen sie beim Nachhauserudern ständig aus dem Takt. Sie schafften es gerade noch bis zur Seinemündung in Nordfrankreich. Dort drehten sie ihre Boote an Land einfach um und überwinterten unter ihnen. Ab und zu, wenn die Sonne schien, fuhren sie mal eben zum Frühschoppen 'rüber ins Angelland. Der Gerstensaft den die dort brauten, das Cervesia, muss ihnen wohl nicht geschmeckt haben. Wenn es schon keinen Wein gab, wollten sie wenigstens ihren Honigmet. Also eroberten sie nebenbei noch einen Teil vom Engelland und führten dort dänische Sitten ein.

Eh Babys, look I tell you, auch unter den Wikingern gab es Obermacher, die das große Sagen hatten. Sie klopften solange ihre Sprüche, bis auch die anderen glaubten, dass es die Kings waren. Und die Kings organisierten so lange, bis der King Knut von Dänemark – irgendwer hat ihn „den Großen“ genannt – auch noch König von England geworden war und ein richtiges Nordseereich hatte. Aber was so echte Hooligans sind, die lassen sich auch von einem König nichts sagen. Gerade die in der Normandie nicht. Die waren unterdessen echte Franzosen geworden, so mit Chevallesquerie á la Maurice Chevallier – dem Mann mit der eisernen Faust in den französischen Krimis – und cherchez la femme und so. „Cherchez la femme“ können wir Babys natürlich noch nicht verstehen, dazu sind wir noch viiiiel zu klein. Bei uns heißt das: „cherchez maman“!

Also, diese französischen Normannen, die pullten mal eben schnell runter nach Italien, wo sie in Sizilien und auf der Stiefelspitze ihre eigenen Herzogtümer errichteten, um von dort aus dann später bei den Kreuzzügen kräftig mitmischen zu können. Ein paar waren natürlich auch in der Normandie geblieben. Unter ihnen war einer, der hieß Wilhelm und eroberte gerne. Der sagte sich, was Knut konnte, das kann Willi schon längst, sprachs und nahm England den Dänen ab. Papi, wann war das?

 ... (1066 Schlacht bei Hastings)

Eijajeijajei, das gab vielleicht renitente Burschen unter den Wikingern! In Norwegen hatten einige von ihnen absolut keinen Bock darauf, gute Christen zu werden und sich von König und Popen sagen zu lassen, was Sache ist. Also setzten sie sich in ihre Ruderboote und schipperten los – über Schottland und die Färöer Inseln bis nach Island. Aber friedlich wurden sie deswegen noch lange nicht. Der Erik zum Beispiel musste sich ganz schnell auf sein Boot schwingen, weil er jemanden erschlagen hatte und nun als Vogelfreier auf der Abschussliste stand. Man nannte ihn den „Raudi“ – „Eirikr raudi“ – das war skandinavisch. Bei uns wird er als „Erich der Rote“ in den Geschichtsbüchern geführt.

Habt Ihr eine Ahnung, warum es Steuerbord und Backbord auf einem Schiff gibt? – Schiff gibt! He Requisiteur, wo bleibt denn der verdammte Äppelkahn? Der pennt da unten, während ich mir hier oben einen absabbel. Na endlich!

Bei den Wikingern stand der Steuermann seitlich am Ruder und schaute zur rechten Seite, die daher Steuerbord genannt wurde, – mit dem Rücken zur linken Seite, nach Backbord, – hauahauahauaha, wat is dat hüt man wedder störmisch – wo seine Po-Backen glänzten! Die waren vom vielen Sitzen und dem Salzwasser ganz wund und rot, wie Ihr Euch sicher denken könnt. Deshalb brennt wohl seit damals an Backbord immer ein rotes Licht.

Zurück zu Erik dem Roten. Er erreichte mit seinem Boot ein grünes Land, wo er im Südwesten seine eigene Kolonie gründete und Siedler anwarb. Die letzten Siedler von Grönland sind dann so nach fünfhundert Jahren von den Eskimos notgeschlachtet worden. Viel Kraft hatten diese grönländischen Ableger der Wikinger ja wohl nicht mehr – so ganz ohne Met und Wein, und auch ohne Milch, die müde Männer munter macht. Denn ihre Kühe, die waren unterdessen längst verhungert, weil das grüne Land inzwischen weiß geworden war. So weiß, dass auch keine Schiffe mehr durch das Packeis zu den Siedlungen kamen. 

Was Erik der Rote noch nicht ganz geschafft hatte, das brachte sein Sohn Leif von Grönland aus auf die Reihe. Der „Eriksohn“ fuhr noch weiter. Und nun ratet mal, was er vor über tausend Jahren entdeckte?

... (Amerika)

Richtig! Es war Leif Erikson, der im Jahre 1000 als erster Europäer seine Füße auf Labrador, auf Neufundland und im „Vinland“ bei Boston abtrat! Wenn das Kolumbus nur geahnt hätte! Er hätte sich 492 Jahre später den Trick mit dem Ei glatt sparen können. Der üppige wilde Wein im Vinland muss bei den Wikingern mächtig Hoffnungen auf eine neue Bezugsquelle für Wein geschürt haben. Weil die Wikinger dort aber nur Puten und keinen Wein fanden, vergaßen sie die ganze Sache nach dreihundert Jahren wieder.

Jetzt denkt ihr sicher, ihr wisst alles über die Wikinger? Ätsch, angeschmiert, mit Kreide lackiert! Ihr wisst nämlich noch nicht, dass ein paar Wikinger aus Schweden nach Südosten aufgebrochen waren, während die anderen in den Westen ´rüber machten! Sie zogen über die Flüsse und erreichten das Schwarze Meer und selbst das Kaspische Meer. Als echte skandinavische Wikinger dürften auch sie die besten Einkaufsmöglichkeiten für steuerfreien Alkohol gesucht haben. Sie fanden sie in Griechenland. Oh man Baby, das eine kann ich Dir flüstern, der Weg über die Flüsse war viel gefährlicher als über die offenen Meere! Besonders dann, wenn die Kahnpartie auf einem Fluss zu Ende war und sie alle Mann ihre Boote bis zum nächsten Fluss schleppen mussten.

Ja so, für dena Babys halt vom Weißwurschtäquator, die wo kaan Piefkenesisch net verstegn: Aane Kahnpa(r)tie, des ist sowas wie´a – wie´a „riverboat shuffle“.

Clever, wie die alten Wikinger nun mal waren, bauten sie entlang ihrer Routen überall Forts und eroberten das Land rundherum. Rurik, der Kommandant von Fort Nowgorod, war einer aus dem Klan der „Rus“ – jaja, ihr vermutet richtig, daher der Name „Russen“! Zwei Freunde von ihm, „väring jarls“, fahrende Earls, Edelleute, wie sie sich gerne nannten, errichteten Fort Kiew. Irgendwie hatten sie Verständigungsschwierigkeiten mit den Einheimischen, denn die machten aus den fahrenden Edelleuten ordinäre „Waräger“. Als sich die Reiche von Nowgorod im Norden und von Kiew im Süden vereinten, war Russland geboren.

Um noch besser an den griechischen Wein zu kommen, versuchten die Waräger sogar, Konstantinopel, die byzantinische Reichshauptstadt, zu erobern. Als das daneben ging, schlossen sie einen Handelsvertrag mit Byzanz. Um aber ganz sicher zu sein, von ihren levantinischen Partnern nicht über den Tisch gezogen zu werden, übernahmen Waräger den Job als Bodyguard bei Kaisers. Und als Palastwachen waren sie immer über alle Water- und Irangates des Reiches bestens informiert.

So im Laufe der Jahre – von zwei, drei Jahrhunderten, hatten sich die Wikinger von Hooligans zu erfolgreichen Koofmichs gemausert. Aus Ostpersien, was heute Turkestan ist, brachten sie Silbermünzen, aus Griechenland Klunker für die Bräute – und natürlich Rezina, aus Russland Pelze – und Sklaven
(er schaut einer Puppe unter den Rock)

– äh – Sklavinnen.

Den ganzen Ramsch verscheuerten sie über Haithabu an der Schlei bei Schleswig in den Westen. Die hatten vielleicht ein Netz von Niederlassungen und Tochtergesellschaften, dagegen ist das unserer heutigen Multis Peanuts!

Aber alles hat einmal ein Ende, nur die Wurst hat zwei. Als in Ostpersien die Silberminen versiegten, waren die Wikinger knapp bei Kasse. Ihre Kreditwürdigkeit wurde von A+ auf B- zurückgestuft und sie kamen in die roten Zahlen. Es kam wie es kommen musste, sie meldeten Konkurs an. Die Gläubiger übernahmen ihre Burgen, und ihre Kähne dienten bestenfalls noch als Beiboote für die neuen Segelschiffe. Als die Kreuzzüge losgingen und Gottfried von Brühwürfel – na, der von Bouillon – 1099 Jerusalem eroberte, gab es schon keine Wikinger GmbH-KG & Co. mehr.

War das nicht eine schöne Geschichte? Mitten aus dem Le- aus Großmutters Schatzkästlein gegriffen, nicht wahr? Darauf wollen wir alle jetzt ein Liedlein singen. Wisst Ihr eigentlich, was ein Schnaderhüpferl ist? Wer kann das den Nordlichtern unter uns erklären?

 ....

Schnaderhüpferl – ist doch ganz einfach, das sind Schneiderbungees! Hä, hä, hä. Die Melodie geht so:

Ist Mami mal böse,
dann macht sie „oh-ooh“,
und ist es ´was Schlimmes,
gibt es ´was auf den Po!

und alle, die es können:

Holladrihia – holladrio, holladrihahaha, holladrio.

Und jetzt unser Wikingersong. Bei Drei fang ich an. Ich singe eine Zeile vor und ihr singt sie mir nach. Eins, zwei, drei -vierteldrei.

Halt stop, wartet, ich war noch nicht so weit. – Ähäm. Aber jetzt! Drei, vier:

Die Wikinger waren als Räuber bekannt,
(alle wiederholen)

und wo sie hinkamen, hat es oft auch gebrannt.

(alle wiederholen)

und alle zusammen:

Holladria ....

Das Reisen auf Booten, das turnte sie an;
Istanbul und Boston standen auf dem Programm.

Sie fuhren durch´s Wasser aus Lust und aus Spaß,
und manchmal da wurden sie auch untenrum nass.

Das brachte die Blasen und sie oft in Not,
drum trugen sie heimlich immer Windeln im Boot.

In Wirklichkeit waren die Nordmänner bloß
auf Suche nach Gummi, so zum Schutz ihrer Pos!

Das habt Ihr aber fein gemacht!

Kasperle ist jetzt nicht nur fix und foxi sondern auch am Ende.
Hat´s Euch gefall´n, klatscht in die Hände.

Der Kasper macht sein Mündchen zu

– nun hat die liebe Seele Ruh´.

(Vorhang )